Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Achtzehnhundertvierzig und acht

 

Achtzehnhundert vierzig und acht,

als im Lenze das Eis gekracht,

Tage des Februar, Tage des Märzen,

waren es nicht Proletarierherzen,

die voll Hoffnung zuerst erwacht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

-

Achtzehnhundert vierzig und acht,

als du dich lange genug bedacht,

Mutter Germania, glücklich verpreußte,

waren es nicht Proletarierfäuste,

die sich ans Werk der Befreiung gemacht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

-

Achtzehnhundert vierzig und acht,

als du geruht von der nächtlichen Schlacht,

waren es nicht Proletarierleichen,

die du, Berlin, vor den zitternden, bleichen

barhaupt grüßenden Cäsar gebracht

Achtzehnhundert vierzig und acht?

-

Achtzehnhundert siebzig und drei,

Reich der Reichen, da stehst du, juchhei!

Aber wir Armen, verkauft und verraten,

denken der Proletariertaten -

noch sind nicht alle Märze vorbei,

Achtzehnhundert siebzig und drei.

Georg Herwegh 1873

 

Zur 25-Jahr-Feier der Revolution rechnet Georg Herwegh mit diesem Lied mit dem Nationalismus ohne Freiheit ab. Er beklagt die verratenen Ideale der Revolution und kritisiert vor allem die soziale Ungerechtigkeit des jungen Kaiserreiches.