Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Bürgerlied der Mainzer

 

Auf Brüder auf die Freiheit lacht, die Ketten sind entzwei
uns hat sie Custine losgemacht, o Bürger wir sind frei
Nun drückt uns kein Despote mehr und raubt uns unsre Taschen leer
der Mainzer ist nun frei, der Mainzer ist nun frei!

Auf Bürger auf zum Jubelsang und preiset dankend Gott
nun hört er auf des Bürgers Drang, der armen Bauern Not
nun ist allein ihr Stand geacht und die Despoten sind veracht
der Mainzer ist nun frei, der Mainzer ist nun frei!

Auf Bürger schwört den Frankeneid, den schönsten auf der Erd
die Franken haben euch befreit, macht euch der Freiheit wert
den Tod verlacht der freie Mann, weil Freiheit nur beglücken kann
der Mainzer ist nun frei, der Mainzer ist nun frei!

O Bürger, welche Seligkeit, ein freier Mann zu sein
dem kein Despote mehr gebeut, nur das Gesetz allein
nun ist es aus, das Adelreich, nun sind wir Brüder, alle gleich
der Mainzer ist nun frei, der Mainzer ist nun frei!

Das Eisen, das uns sonst gedrückt, das unser Recht gekränkt
O Bürger, Bürger dankt entzückt, ihm, der es so gelenkt
Das Eisen, aufgestellt vom Stolz, seht doch Bürger, es zerschmolz
der Mainzer ist nun frei, der Mainzer ist nun frei!

unbekannt, 1792

 

Im Oktober 1792 nehmen Revolutionstruppen unter General Custine Mainz ein und ebnen dadurch den Weg zur Mainzer Republik. Das zerschmolzene Eisen in der letzten Strophe bezieht sich auf Gerichtssteine als Zeichen der Unterdrückung.