Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Bundeslied vor der Schlacht


Ahnungsgrauend, todesmutig

bricht der große Morgen an
und die Sonne, kalt und blutig

leuchtet unsrer blutgen Bahn
In der nächsten Stunden Schoße

liegt das Schicksal einer Welt
und es zittern schon die Lose

und der ehrne Würfel fällt

Brüder, euch mahne die dämmernde Stunde
mahne euch ernst zu dem heiligsten Bunde
treu so zum Tod, wie zum Leben gesellt

Hinter uns, im Graun der Nächte

liegt die Schande, liegt die Schmach
liegt der Frevel fremder Knechte

der die deutsche Eiche brach
Unsre Sprache ward geschändet

unsre Tempel stürzten ein
unsre Ehre ist verpfändet

deutsche Brüder, löst sie ein

Brüder, die Rache flammt. Reicht euch die Hände
daß sich der Fluch der Himmlischen wende
Löst das verlorne Palladium ein

Vor uns liegt ein glücklich Hoffen

liegt der Zukunft goldne Zeit
steht ein ganzer Himmel offen

blüht der Freiheit Seligkeit.
Deutsche Kunst und deutsche Lieder,

Frauenhuld und Liebesglück
alles Große kommt uns wieder,

alles Schöne kehrt zurück

Aber noch gilt es ein gräßliches Wagen
Leben und Blut in die Schanze zu schlagen
nur in dem Opfertod reift uns das Glück

Nun, mit Gott, wir wollen wagen,

fest vereint dem Schicksal stehn
unser Herz zum Altar tragen,

und dem Tod entgegen gehn.
Vaterland, dir wolln wir sterben,

wie dein großes Wort gebeut
Unsre Lieben mögen´s erben,

was wir mit dem Blut befreit

Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen
wachse empor über unsere Leichen!
Vaterland, höre den heiligen Eid

Und nun wendet eure Blicke

noch einmal der Liebe nach
scheidet von dem Blütenglücke,

das der giftge Süden brach
Wird euch auch das Auge trüber,

keine Träne bringt euch Spott
werft den letzten Kuß hinüber,

dann befehlt sie eurem Gott

Alle die Lippen, die für uns beten
alle die Herzen, die wir zertreten
tröste und schütze sie, ewiger Gott

Und nun frisch zur Schlacht gewendet,

Aug und Herz zum Licht hinauf
Alles Irdsche ist vollendet,

und das Himmlische geht auf
Faßt euch an, ihr deutschen Brüder,

jeder Nerve sei ein Held
Treue Herzen sehn sich wieder,

Lebewohl für diese Welt

Hört ihr´s, schon jauchzt es uns donnernd entgegen
Brüder, hinein in den blitzenden Regen
Wiedersehn in der besseren Welt


Theodor Körner 1813

 

Es ist nicht ganz klar, auf welche Schlacht sich das Lied bezieht, aber sicher ist es im Sommer 1813 entstanden. Inhaltlich ringt der Lützower Jäger Theodor Körner mit der Todesangst und zugleich mit seiner vaterländischen Pflicht für den Kampf um Freiheit.