Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Carl-Peters-Lied

 

1. Heil dem Ort, in dessen Mauern einst des Helden Wiege stand

den mit immergrünem Lorbeer dankbar schmückt das Vaterland

der in unsrer Kolonien Kranz die schönste Blüte wand:

Heil sei Neuhaus an der Elbe, wo Karl Peters Wiege stand

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2. Feurig für die Kolonien stritt der Held in Schrift und Wort

der Begeistrung heilge Flamme facht er an in Süd und Nord

Wie der Waldbrand wuchs sie zündend rings im Vaterlande fort:

Vaterland und Kolonien war des Helden Losungswort

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3. Seine Taten sahn die Völker voller Staunen tatenlos

siegreich schickt er seine Streiter in des dunklen Erdteils Schoß

Unter seiner Gegner Augen wuchs die Macht ihm riesengroß

und der Briten stolze Hoffnung gab der Held den Todesstoß

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4. Für den Deutschen Emin Pascha bracht er sich zum Opfer dar

tausend dunkle Todesarme reckten dräuend die Gefahr

doch durch unerforschte Lande zog er sieghaft wie der Aar:

furchtlos bracht er sich zum Opfer auf des Vaterlands Altar

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5. Listenreich und kühn und tapfer, auch im Unglück treu und echt

macht er seine schwarzen Krieger stets zum Sieger im Gefecht

Landerwerber, Städtestürmer, leuchtend Vorbild dem Geschlecht

scharfen Geistes, nimmer müde, auch im Unglück treu und echt

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6. Und nach Neuhaus an der Elbe, dessen größter Sohn er war

kehrt nach tatenreichem Leben er zurück nach manchem Jahr

Und der Rührung Träne schimmert ihm im Auge hell und klar

Heil sei Neuhaus an der Elbe, das den großen Sohn gebar!

Kurt Hoffmann 1894

 

Der Regierungsbaumeister Kurt Hoffmann, auch bekannt als Dichter kolonialer Lieder, schrieb auf Wunsch der Stadt Neuhaus an der Elbe ein Loblied auf Carl Peters. Dabei werden Peters Pionierleistungen in Ostafrika überschwänglich gewürdigt und als Folge seines vorbildlichen Charakters beschrieben.

Als herausragendes Beispiel nennt das Lied die Zusammenarbeit Peters mit Emin Pascha (dem Afrikaforscher sowie Gouverneur der Provinz Äquatoria im Türkisch-Ägyptischen Sudan, Eduard Schnitzer) und greift die damals bekannten Bezeichnungen "Landerwerber" und "Städtstürmer" auf.

Die gewalttätige Seite Peters, welcher später unehrenhaft aus dem Kolonialdienst entlassen wurde, wird verständlicherweise nicht erwähnt. Seine auch im Zeitkontext übertriebene Härte, gepaart mit unbeherrschten Zornesausbrüchen, brachte ihm auch den Namen "Hängepeters" ein. 

Peters wurde in der Zeit des 1. Weltkrieges von Wilhelm II. mit einer Pension belegt und später in der Zeit des Nationalsozialismus posthum (gestorben 1918) rehabilitiert und als nationalsozialistischer Vorkämpfer gedeutet.