Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Das Lied vom Hasse

 

Wohlauf, wohlauf, über Berg und Fluß, dem Morgenrot entgegen,
dem treuen Weib den letzten Kuß und dann zum treuen Degen!
Bis unsre Hand in Asche stiebt, soll sie vom Schwert nicht lassen;
wir haben lang genug geliebt und wollen endlich hassen!
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Die Liebe kann uns helfen nicht, die Liebe nicht erretten;
halt du, o Haß, dein Jüngst Gericht, brich du, o Haß, die Ketten!
Und wo es noch Tyrannen gibt, die laßt uns keck erfassen;
wir haben lang genug geliebt und wollen endlich hassen!
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Wer noch ein Herz besitzt, dem soll's im Hasse nur sich rühren;
allüberall ist dürres Holz, um unsre Glut zu schüren.
Die ihr der Freiheit noch verbliebt, singt durch die deutschen Straßen:
»hr habet lang genug geliebt, O lernet endlich hassen!
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Bekämpft sie ohn Unterlaß, die Tyrannei auf Erden,
und heiliger wird unser Haß als unsre Liebe werden.
Bis unsre Hand in Asche stiebt, soll sie vom Schwert nicht lassen;
wir haben lang genug geliebt und wollen endlich hassen!

Georg Herwegh 1841

 

Auch wenn der Begriff des "Hasses" im 19. Jahrhundert nicht ganz so abschreckend klang wie heute, so provoziert Georg Herwegh immer noch genug all jene, die zögerlich sind und nicht bereit, die Revolution notfalls auch gewaltsam anzugehen.