Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Der Gottesgnadenfritz

 

Das ist der Gottesgnadenfritz,
Von dem will ich euch melden:
Als Hahn im Korb ein schlechter Witz,
Hat er den Bauch des Helden.
Er ist der Fürsten Fürste,
Die Blunz im Kreis der Würste –
Er hat den Kopf voll Grütz, potz Blitz!
Der Gottesgnadenfritz.

Des Morgens trinkt er einen Schnaps
Und thut was oktroyieren;
Des Mittags hat er einen Taps
Und thut sich was blamieren.
Nachts beim Champagnerglase,
Da fällt er auf die Nase –
Spar Höherm deinen Hals, potz Blitz!
Du Gottesgnadenfritz.

So treibt's der Gottesgnadenfritz,
Er lebt auf allen Vieren;
Er wackelt sehr auf seinem Sitz,
Das fährt ihm in die Nieren.
»Hei« ruft er, »komm und höre,
Du Volk! was ich dir schwöre!« –
Das Halten nur vergißt, potz Blitz!
Der Gottesgnadenfritz.

Komödie spielt er früh und spat,
Potent im Deklamieren;
Die Hungernden in seinem Staat,
Die läßt er füsilieren.
Denn gegen Demokraten
Gab ihm der Herr Soldaten –
Er dient ja nur dem Herrn, potz Blitz!
Der Gottesgnadenfritz.

Das ist der Gottesgnadenfritz,
Sein Mut ist immer heiter;
Denn auf dem Helme, hoch und spitz,
Trägt er den Blitzableiter:
Ja trau du nur dem Wetter,
Du aller Narren Vetter! –
Dir schlagt er doch ins Hirn, der Blitz,
Du Gottesgnadenfritz!

Ludwig Pfau 1850

 

Ludwig Pfau verspottet Friedrich Wilhelm IV. als den Gottesgnadenfritz. Dabei geht es um sein unehrliches Verhalten während der Revolution, aber auch um einige persönliche Eigenheiten des Königs, wie z.B. die Einführung der als "Blitzableiter" bezeichneten Pickelhaube.