Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Der Polen Mai

 

Brüder lasst uns gehn all zusammen in des Frühlings Blumenhain

Lasset unsre Herzen flammen hier im innigsten Verein

Lieber Mai, holder Mai, Winters Herrschaft  ist vorbei

 

Einst in solchen Maientagen ward ein Kleinod uns geschenkt

Muss das Herz nicht feurig schlagen wenn es jener Zeit gedenkt?

Gott verleih! Gott verleih, dass erblüh` ein solcher Mai

 

Ach es haben Feindes Mächte dieses Kleinod uns geraubt

Von dem teuersten der Rechte kaum zu sprechen uns erlaubt

Trüber Mai, trüber Mai! Wenn ein Volk nicht froh, nicht frei

 

Doch nun wehen unsre Fahnen in den weiten freien Lüften

und der Ruhm der großen Ahnen strahlt uns Sieg aus heilgen Grüften

komm herbei, komm herbei du ersehnter Freiheits-Mai

 

Seht er ist herbeigekommen in der Freiheit Sonnenglanz

Alter Mut ist neu erglommen und der Lorbeer grünt zum Kranz Tyrannei ist vorbei, sei willkommen selger Mai

 unbekannt, 1791/ 1831

 

Der deutsche Text aus dem Jahr 1831 hat ein polnisches Lied von 1791 zum Vorbild: am 3. Mai 1791 wurde in Polen eine liberale Verfassung feierlich eingeführt - noch vor der französischen Verfassung von 1791. Damit war Polen zu diesem Zeitpunkt ein fortschrittlicher Staat, umgeben von absoluten Monarchen. Dieser Umstand führte dann 1793 und 1795 zur zweiten und dritten polnischen Teilung.