Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Es brennt

 

1. Es brennt, Brüder, es brennt, ach, unser armes Stetl brennt

Böse Winde mit ihrem Brausen, zerren, brechen und zerzausen

Stärker werden schon die Flammen, alles rundum bricht bald zusammen

-

 

Ref.:Und ihr steht da ohne Taten, wie lang wollt ihr denn noch warten

Steht auf, erhebet eure Händ, denn unser Stetl brennt.

-

 

2. Es brennt, Brüder, es brennt, ach, unser armes Stetl brennt

Es haben schon die Feuerzungen, das ganze Stetl fest umschlungen

Und die bösen Winde kommen, ham bald das Stetl eingenommen.

-

 

3. Es brennt, Brüder, es brennt; bald schon kann kommen der Moment

dass unsre Stadt mit uns zusammen wird zur Asche durch die Flammen.

Übrig bleibt, wie nach der Schlacht, nur die dunkle kalte Nacht.

-

 

4. Es brennt, Brüder, es brennt, euch helfen ihr nur selber könnt.

Ist das Stetl euch recht teuer, holt Gefäße, löscht das Feuer

Löscht es mit eurem eignen Blut, beweist, das ihr das könnt.

Mordechaj Gebirtig 1936

 

Das in jiddischer Sprache verfasste Lied des Tischlers Mordechaj Gebirtig stammt aus dem jüdischen Viertel Krakaus und sieht die Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung Polens klar voraus. Auslöser des Liedes waren die Pogrome gegen Juden in Przytyk am 9. März 1936.  Im Rahmen der Aufführungen von Geschichte-in-Liedern wird eine eigene Übersetzung verwendet. Ohne zur Gewalt aufzurufen wird eine Verteidigung des jüdischen "Stetl" und damit der jüdischen Kultur insgesamt gefordert.

Mordechaj Gebirtig wurde 1942 von deutschen Soldaten erschossen.