Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Fordre niemand, mein Schicksal zu hören

 

Ford´re niemand mein Schicksal zu hören

dem das Leben noch wonnevoll winkt

ja, wohl könnte ich Geister beschwören

die der Acheron besser verschlingt

-

Aus dem Leben mit Schlachten verkettet

aus dem Kampfe mit Lorbeer umlaubt

hab ich nichts, hab ich gar nichts gerettet

als die Ehr´ und das alternde Haupt

-

Keine Hoffnung ist Wahrheit geworden

selbst des Jünglings hochklopfende Brust
hat im liebeglühenden Norden

ihrer Liebe entsagen gemusst

-

Zu des Vaterlands Rettung gerufen

schwer verwundet, von Feinden umschnaubt

blieb mir unter den feindlichen Hufen

nur die Ehr´ und das alternde Haupt

-

In Amerika sollte ich steigen

doch in Polen entsagt´ ich der Welt
Lasset mich meinen Namen verschweigen

ich bin nichts als ein sterbender Held

-

O mein Vaterland! Dich nur beklag ich

Ja, du bist deines Glanzes beraubt

dich beweinend zum Grabe hin trag ich

meine Ehr´ und mein sinkendes Haupt

Karl von Holtei 1825

 

Das Lied war im frühen 19. Jahrhundert in zahlreichen Textvarianten bekannt, Karl von Holtei bezieht es in seinem Singspiel "Der alte Feldherr" auf die Situation des Kosziuszko-Aufstandes. Nach der Niederschlagung des Aufstandes und der dritten polnischen Teilung 1795 kam es zu einer Auswanderungsbewegung.