Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Frühlingsgruß an das Vaterland


Wie mir deine Freuden winken

Nach der Knechtschaft, nach dem Streit!

Vaterland, ich muss versinken

Hier in deiner Herrlichkeit!

Wo die hohen Eichen sausen,

Himmelan das Haupt gewandt,

Wo die starken Ströme brausen,

Alles das ist deutsches Land.

Von dem Rheinfall hergegangen

Komm' ich, von der Donau Quell,

Und in mir sind aufgegangen

Liebessterne mild und hell;

Niedersteigen will ich, strahlen

Soll von mir der Feuerschein

In des Neckars frohen Talen

Und am silberblauen Main.

Weiter, weiter mußt du dringen,

Du mein deutscher Freiheitsgruß,

Sollst vor meiner Hütte klingen

An dem fernen Memelfluß.

Wo noch deutsche Worte gelten,

Wo die Herzen stark und weich,

Zu dem Freiheitskampf sich stellten,

Ist auch heil'ges deutsches Reich.

Alles ist in Grün gekleidet,

Alles strahlt im jungen Licht,

Anger, wo die Herde weidet,

Hügel, wo man Trauben bricht.

Vaterland! in tausend Jahren

Kam dir solch ein Frühling kaum;

Was die hohen Väter waren,

Heißet nimmermehr ein Traum.

Aber einmal müsst ihr ringen

Noch in ernster Geisterschlacht

Und den letzten Feind bezwingen,

Der im Innern drohend wacht.

Haß und Argwohn müßt ihr dämpfen,

Geiz und Neid und böse Lust,

Dann nach schweren, langen Kämpfen

Kannst du ruhen, deutsche Brust.

Jeder ist dann reich an Ehren,

Reich an Demut, reich an Macht;

So kann nur sich selbst verklären

Unsers Kaisers heil'ge Pracht.

Alte Sünden müssen sterben

In der gottgesandten Flut

Und an einen sel'gen Erben

Fallen das entsühnte Gut.

Segen Gottes auf den Feldern,

In des Weinstocks heil'ger Frucht;

Manneslust in grünen Wäldern,

In den Hütten frohe Zucht;

In der Brust ein frommes Sehnen,

Ew'ger Freiheit Unterpfand:

Liebe spricht in zarten Tönen

Nirgends wie im deutschen Land.

Ihr in Schlössern, ihr in Städten,

Welche schmücken unser Land;

Ackersmann, der auf den Beeten

Deutsche Frucht in Garben band,

Traute deutsche Brüder, höret

Meine Worte alt und neu:

Nimmer wird das Reich zerstöret,

Wenn ihr einig seit und treu!

Max von Schenkendorf 1815


Schenkendorf ist einerseits noch erfreut über den Sieg gegen Napoleon, andererseits sieht er, dass damit die angestrebte deutsche Einheit noch nicht gesichert ist.