Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Germania, mir graut vor dir

 

Germania, der Sieg ist dein!

Die Fahnen wehn, die Glocken klingen,
Elsaß ist dein und Lotharingen;

du sprichst: „Jetzt muss der Bau gelingen,

bald holen wir den letzten Stein,

bald holen wir den letzten Stein."

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Gestützt auf deines Schwertes Knauf,

lobst du in frommen Telegrammen

den Herrn, von dem die Herren stammen,

und aus Zerstörung, Tod und Flammen

steigt heiß dein Dank zum Himmel auf,

steigt heiß dein Dank zum Himmel auf.

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Schwarz, weiß und rot um ein Panier,

vereinigt stehen Süd und Norden;

du bist im ruhmgekrönten Morden

das erste Land der Welt geworden:

Germania, mir graut vor dir!

Germania, mir graut vor dir!

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Mir graut vor dir, ich glaube fast,

dass du, in argen Wahn versunken,

mit falscher Größe suchst zu prunken,

und dass du, gottesgnadentrunken,

das Menschenrecht vergessen hast,

das Menschenrecht vergessen hast.

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Schon lenkt ein Kaiser dich am Zaum,

ein strammer, strenger Zepterhalter.

Hofbarden singen ihre Psalter

dem auferstandnen Mittelalter,

und 89 wird ein Traum,

und 89 wird ein Traum.

Georg Herwegh 1871

 

Als überzeugter Vertreter des deutschen Vormärz hält Georg Herwegh an seinen Idealen fest und äußert daher sein Unbehagen über das Zustandekommen der deutschen Einheit unter den Vorzeichen von Krieg und Nationalismus.