Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Heute scheid´ ich, morgen wandre ich

 

Heute scheid ich, morgen wandre ich, jeder Brave weint um mich

fern in unbekannten Landen fern von allen süßen Banden

Vaterland, denk ich an dich

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An der Weichsel Heimatstrande an den Ufern liegt der Schnee

Vaterland, dass ich muss scheiden, muss die süße Heimat meiden

tief im Herzen tut es weh

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Hunderttausend Kugeln pfiffen über unsern Häuptern hin

Wo ich fall, legt man sich nieder ohne Klagen ohne Lieder

niemand fragt, wer ich bin

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Du allein wirst um mich weinen, siehst du meinen Todesschein

Vaterland, soll er erscheinen, tu im Stillen um mich weinen

und gedenke ewig mein

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Sohn, mein Sohn sei meiner würdig, ist auch tot der Vater dein

nimm den wohlverdienten Segen, nimm auch deines Vaters Degen

lass die Welt dein Vater sein

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Wär auch alles sonst verloren, ist es doch die Ehre nicht

Alle Edlen, alle Guten, würden gerne für uns bluten

hielten es für süße Pflicht

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Noch ist Polen nicht verloren, alle Braven sind sein Schutz

einstens wird es neu geboren, zu der Freiheit auserkoren

schnöder Tyrannei zum Trutz.

unbekannt 1832

 

Das Lied geht auf ein älteres Abschiedslied zurück (T: Friedrich Müller 1776 & M: Friedrich Ernst Fesca 1822) und wird nun auf die Situation in Polen nach dem gescheiterten Novemberaufstand bezogen.