Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Ich bin ein freier Mann

 

Wohl mir, ich bin ein freier Mann, nur den Gesetzen untertan.
Drum tu ich keinem Menschen je, was ich nicht will, dass mir gescheh.
Auch leid ich das von andern nie, denn ich hab gleiches Recht wie sie.
Willkommen, wer es sagen kann: wohl mir! Ich bin ein freier Mann.

Willkommen, wer die Menschheit liebt, für sie wenns gilt sein Leben gibt.
Willkommen wer mit festem Mut, das Gute will und liebt und tut.
Willkommen wer mit ganzer Kraft, im Heiligtum der Wahrheit schafft.
Nur der ists, der es sagen kann: wohl mir, ich bin ein freier Mann.

Nicht jeder ist der Freiheit wert, der frei sein oder sterben schwört.
Denn mancher, der Despoten droht, ist wenn er kann, wie sie Despot.
Der Neid macht ihn zu ihrem Feind, doch ist er ihrer Laster Freund.
Der ist es nicht, der sagen kann: wohl mir ich bin ein freier Mann.

Zu oft nur tragen Übermut und Eigennutz den Freiheitshut;
zu oft nur wähnt der Anarchist, dass er der beste Bürger ist.
Nur wer Gesetz und Ordnung liebt, verdient dass es Gesetze gibt..
Doch wer von Freiheit schreien kann, ist darum noch kein freier Mann.

Willkommen, wer mit tapfrer Hand sein Schwert erhebt fürs Vaterland
der unbefleckte Held, der noch - im Staube keines Thrones kroch,
der Greis und Waise unterstützt, die Unschuld und das Unglück schützt.
Willkommen, wer es sagen kann: Wohl mir! Ich bin ein freier Mann.

Wohl mir, ich bin ein freier Mann, trotz jedem, ders nicht leiden kann.
Mich schrecken Tod und Kerker nicht, vom Pfade meiner Bürgerpflicht.
Mich macht nicht Silber und nicht Gold, der Menschheit stolzen Feinden hold.
Wohl mir, dass ich es sagen kann: ich bin und bleib ein freier Mann.

Friedrich Lehne 1792

 

Der Mainzer Jakobiner Friedrich Lehne drückt demokratische Überzeugungen aus und kritisiert zugleich das egoistische Interesse vieler Revolutionäre.