Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Kein andrer kommt den Löwen gleich

(An Kaiser Wilhelm)

 

Kein andrer kommt den Löwen gleich,

Wie er schreitet durch sein Reich.

wer sich in seinen Schutz begeben,

Kann furchtlos ruhig weiter leben.

Ja Ja so!

-

Ich komme weit, weit übers Meer

und sing zu Kaiser Wilhelms Ehr,

Der uns in Not und in Gefahren

weiß wohl zu schützen und zu wahren.

Ja Ja so!

-

Droht uns in Togo am Meeresstrand

oder auch im inneren Land

Gefahr durch Feindes Speer und Bogen,

Voll Mut wird in den Kampf gezogen

Ja Ja so!

-

Wir fürchten nicht den giftigen Pfeil.

Wir rufen: "Kaiser Wilhelm, Heil!

Der uns ein edler Schutzherr worden

Im Kampfe gegen wilde Horden."

Ja Ja so!

-

Nun ließen wir die Heimat allein

und schifften uns nach Deutschland ein,

Und jubelnd rufen wir dreimal:

"Hurrah!" Für Kaiser Wilhelm da:

"Hurrah, Hurrah!"  Hurrah!

-

Höflich bittend klopf an zuvor

eh du gehst durchs Fürsten Tor

so klopf ich nun beim Tiger an

und warte, bis mir aufgetan

Ja Ja so!

-

Herzog Johann, dich grüssen wir,

sieh deine getreuen Schwarzen hier

des edlen Bruders früher Tod

spricht uns von deiner Herzensnot

Ja Ja so!

-

Auch uns betrübt es tief den Sinn,

doch tröstend tret ich vor dich hin

füg dich in Gottes Allmacht still -

er weiß, wie er dich führen will

Ja Ja so!

-

Sei glücklich in der deinen Kreis,

Gott geb dir Trank und reiche Speis

ein weiches Lager, auf dem du

schläfst in sorgenloser Ruh

Ja Ja so!

Togolesen nach 1890

 

Die Schriftstellerin Paula Karsten berichtet in ihrem Buch "Wer ist mein Nächster? - Negertypen aus Deutschwestafrika" (Berlin 1903) von einem in Berlin stattgefundenen Singspiel von "Togoleuten". In diesen von Karsten übersetzten Texten wird Kaiser Wilhelm als Löwe und Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, Vorsitzender der Deutschen Kolonialgesellschaft, als Tiger angesprochen. Beide werden als uneigennützige Beschützer gepriesen.

Die sehr sprachbegabte Paula Karsten bereiste mehrere Kolonien und beschäftigte sich intensiv mit den Kulturen der einheimischen Völker. Im Kontext des Liedes zitiert sie einen Togolesen mit den Worten: "Wir Schwarzen wissen wohl, dass die Weißen uns sehr überlegen sind. Wir wollen alles von ihnen lernen. Sie sollten aber nicht vergessen, dass wir unsere alten Sitten und Gebräuche haben und uns von heute auf morgen nicht vollständig umändern können. Wenn eine sanfte Hand uns leitet, so gehen wir willig, wohin sie uns führt".