Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Mein Deutschland, strecke die Glieder

 

Mein Deutschland, strecke die Glieder ins alte Bett, so warm und weich;

Die Augen fallen dir nieder, du schläfriges deutsches Reich.

Hast lange geschrien dich heiser – nun schenke dir Gott die ewige Ruh!

Dich spitzt ein deutscher Kaiser pyramidalisch zu.

O Freiheit, die wir meinen, o deutscher Kaiser, sei gegrüßt!

Wir haben auch nicht einen Zaunkönig eingebüßt.

Sie sind uns alle verblieben; und als wir nach dem Sturm gezählt

die Häupter unsrer Lieben, kein einziges hat gefehlt.

Deutschland nimmt nur die Hüte den Königen ab, das genügt ihm schon;

der Deutsche macht in Güte die Revolution.

Die Professoren reißen uns weder Thron noch Altar ein;

auch ist der Stein der Weisen kein deutscher Pflasterstein.

Wir haben, was wir brauchen; gesegnet sei der Völkerlenz!

Wir dürfen auch ferner rauchen in unsrer Residenz.

Georg Herwegh 1849

 

Nach der gescheiterten Märzrevolution drückt Georg Herwegh seine Enttäuschung aus. Für viele Jahre zieht er sich politisch zurück.