Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Mein Michel

 

Du hast Bataillone, Schwadronen,
Batterien, Maschinengewehr,
du hast auch die größten Kanonen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?  

Du hast die beträchtlichsten Steuern,
deine Junker, die plagen sich sehr,
um dir das Brot zu verteuern.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast zwei Dutzend Monarchen,
Lakaien und Pfaffen ein Heer,
beseeligt kannst du da schnarchen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast ungezählte Paragraphen,
die Gefängnisse werden nicht leer,
du kannst auch in Schutzhaft drin schlafen.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du hast Kohlrüben und Eicheln,
und frägst du nach and’rem Begehr,
so darfst du am Bauche dich streicheln.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

Du darfst exerzieren, marschieren,
am Kasernenhof, kreuz und quer,
und dann für den Kaiser krepieren.
Mein Michel, was willst du noch mehr?

unbekannt 1918

 

Am Ende des Weltkrieges drückt sich die Kriegsmüdigkeit in diesem Lied aus, das vor allem die Rolle des einfachen Bürgers betont, der sich von den kaiserlichen Eliten ausgenutzt fühlt. Spöttisch wird Michel gefragt, was er denn noch mehr wolle als seine Unterdrückung, so als sei die Ausnutzung eine Ehre.