Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Mein tapfrer Lagienka

 

Kościuszko

Denkst du daran mein tapferer Lagienka,

daß ich dereinst in unserm Vaterland
an Eurer Spitze, nah bei Dubienka,

viertausend gegen sechzehntausend stand

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 Denkst du daran, wie ich vom Feind umgeben

mit Mühe nur die Freiheit uns gewann

ich denke dran, ich verdanke dir mein Leben,

doch du Soldat, Soldat, denkst du daran?

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Lagienka

Denkst du daran wie wir bei Krakau schlugen

den Bären gleich, die keine Wunde scheun´n
wie wir den Sieg durch alle Feinde trugen

von dir geführt nach Krakaus Stadt hinein

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Wir hatten keine kriegsgerechten Waffen,

die Sense nur schwang jeder Ackersmann

doch machten wir dem kühnen Feind zu schaffen,

Feldherr gewiss gedenkst du noch daran

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Kościuszko

Denkst du daran, wie stark wir im Entbehren

die Ehre allem wussten vorzuziehn
gedenkst du an das tückische Verschwören

meineid´ger Freunde, dort bei Scekrezyn?

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Wir litten viel, wir darbten, doch wir schwiegen,

die Träne floss, das treue Herzblut rann

und dennoch flogen wir zu kühnen Siegen,

o sprich Soldat, Soldat, denkst du daran?

-

Lagienka

Denkst du daran, wie in des Kampfes Wettern

mein Säbel blitzte stets in deiner Näh´
als du verlassen von den Siegesgöttern

schon sinkend riefst: Finis Poloniae

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Du sankst, mit dir des Landes letztes Hoffen,

so vieler Heil in einem einz´gen Mann

dass damals mich dein Trauerblick getroffen,

O großer Feldherr, denkst du noch daran?

-

Kościuszko

Ich denke dran: Weh, meine Stimme zittert

und mir erbleicht der Freude letzter Glanz
ich seh im Sturm der Zeiten schon verwittert

dennoch geflochten unsern Lorbeerkranz

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Geh du mit mir und sinkt mein Haupt darnieder,

umfang ich einst den Tod als Held und Mann

dann schließe mir die müden Augenlider und scheidend sprich:

Soldat: denkst du daran

Karl von Holtei 1825

 

Das Lied von Karl von Holtei aus dem Singspiel "Der alte Feldherr" von 1825 geht zurück auf "Soldat te souviens tu?" von Emile Debraux; im Ursprung ging es um die napoleonischen Kriege. Von Holtei bezieht sich in seinem Text auf Tadeusz Kościuszko, den Anführer des nach ihm benannten Aufstandes gegen die Teilungsmächte 1794. Im Dialog mit dem einfachen Soldat Lagienka wird an den Widerstandskampf erinnert und dabei betont, dass sich Feldherr und Soldat freundschaftlich begegnen.  

Kościuszko hat übrigens vehement bestritten, den Ausspruch "Finis Poloniae" getätigt zu haben und dies als preußische Anti-Polen-Propaganda bezeichnet.