Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Michel, warum weinest du?

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich stets soll kindisch bleiben,

Und mein Wohl nicht selbst betreiben,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!« 

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil es mir nicht macht Behagen,

Daß ich soll den Maulkorb tragen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!« 

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil sie mir mein Geld verprassen,

Ohne Nachricht, wo sie′s lassen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!« 

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich bin in tausend Banden,

Und in Neununddreißig Landen,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!« 

 

Michel, warum weinest du,

Weinest du so sehr?

»Weil ich hab′ mein Blut verspritzet,

Ohne, daß es mir genützet,

Darum, darum weine ich,

Weine ich so sehr!« 

 

Michel, darum weine nicht,

Weine nun nicht mehr!

Wenn du einsiehst deine Schwächen,

Will ich dir mal ′was versprechen!

Darum, darum weine nun,

Weine nun nicht mehr!

Adolf Glasbrenner vor 1848

 

Die enttäuschten Erwartungen auf Freiheitsrechte und nationale Einheit werden in dem Lied von Adolf Glasbrenner auf den Deutschen Michel übertragen. Dieser wird am Ende aufgefordert, die Ziele zu erkämpfen.