Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Nun danket alle Gott

 

Nun danket alle Gott
mit Herzen, Mund und Händen.
Der große Dinge tut
an uns und allen Enden,
Der uns von Mutterleib
und Kindesbeinen an
Unzählig viel zu gut
bis hierher hat getan.

Der ewig reiche Gott
woll uns in unserm Leben
Ein immer fröhlich Herz
und edlen Frieden geben
Und uns in seiner Gnad
erhalten fort und fort
Und uns aus aller Not
erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott,
dem Vater und dem Sohne
Und Gott, dem Heilgen Geist
im höchsten Himmelsthrone,
ihm, dem dreieinen Gott,
wie es im Anfang war
Und ist und bleiben wird
so jetzt und immerdar.

Martin Rinckart 1630

 

Das Lied entstand 1630 zur 100-Jahr-Feier der Augsburger Konfession, es ist also ein gesungenes Glaubensbekenntnis. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelt sich das Lied mit zum Teil verändertem Text zu einer nationalen Hymne, die an markanten Punkten der deutschen Geschichte gesungen wurde: während der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813, bei der Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871, zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914, am Tag von Potsdam 1933 und schließlich während der Heimkehr der Kriegsgefangenen aus Russland 1955 im Lager Friedland. Anhand eines einzigen Liedes kann so ein faszinierender Bogen geschlagen werden von den Folgen der Reformation bis in die Nachkriegszeit.