Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Nur Freiheit oder Tod

 

Auf! Auf! Es geht! Es ist gegangen! Uns segnet Gottes Vaterblick!
Laßt Sklaven vor Despoten bangen! Die feige Brut verdient kein Glück.
Laßt uns der Freyheit würdig werden, sie ist des Menschen bestes Gut;
und fließt für sie auch all sein Blut,
Genießt sein Sohn doch Glück auf Erden. Wohlan! Die Wahl ist leicht!

Nur Freiheit oder Tod! Nur Freiheit oder Tod!
Weh dem! Fluch dem! Der je es wagt und unsrer Freiheit droht.
Nur Freiheit oder Tod!

Wir pflügten lange unsre Äkker, viel träge Prasser nährten wir.
Und seht! Sie wurden immer kecker, erniedrigten uns bis zum Thier.
Sie blendeten uns mit Glanze, den ihnen unser Fleiß verschafft;
und so war stark durch unsre Kraft
Manch träger Pfaff, manch geiler Schranze. Wohlan! Die Wahl ist leicht!

Wir selbst wir machen die Gesetze; denn wer weiß besser, was uns nützt?
Dadurch behalten wir die Schätze, die dann kein Schwelcher mehr besitzt.
Wir wählen uns gerechte Richter, die keines Schurken Gold besticht,
Vertrauen wecket ihr Gesicht,
schrökt nie, wie jene Amtsgesichter. Wohlan! Die Wahl ist leicht!

O Gott! Beschützer alles guten! Schenk´ unsrer Freyheit deinen Schild!
Wir wollen gerne für sie bluten, wenn es dein Richterwink befiehlt.
Gieb unser´n Werken deinen Segen! Denn der nur gründet unser Glück;
wir fordern dein Geschenk zurück,-
komm´ unser´m Muth mit Kraft entgegen. Wohlan! Wir folgen dir!

Friedrich Lehne 1793

 

Friedrich Lehne überträgt die Marseillase auf die Situation in Deutschland. Der Text ist auch bekannt als "Das Lied der freien Wöllsteiner".