Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Polens Sache, deutsche Sache

 

Was gestern Recht war für den Rhein,

ist’s heute nicht auch Recht für Polen?

Soll Polen nicht auch Polen sein,

weil wir als Räuber mitgestohlen?

-

Vergaßet ihr das Einmaleins,

ihr unergründlich tiefen Denker,

ihr Zionswächter unsres Rheins

und jeder fremden Freiheit Henker?!

-

O du, mein Volk, das hoffend drängt

sich an der reichen Zukunft Schwelle,

was auch die Sterne dir verhängt, –

sei nicht des Zaren Spießgeselle!

-

Tritt nicht, was du bei dir gesät,

im fremden Land mit Rosseshufen,

nicht deine eigne Majestät

in Völkern, die um Freiheit rufen!

-

Du suchst ja selbst aus tiefem Grund

der Knechtschaft dich emporzuringen.

Willst du dein Joch zur selben Stund’

dem andern auf den Nacken zwingen?

-

Weh über uns in solchem Krieg!

Wir wandeln keine Ruhmesbahnen.

Ich rufe: Den Empörern Sieg

und jede Schmach auf deutsche Fahnen!

Georg Herwegh 1846

 

Georg Herwegh prangert an, dass selbst unter den deutschen Liberalen viele sind, die um einen freiheitlichen deutschen Nationalstaat kämpfen, aber zugleich das nationale Selbstbestimmungsrecht der Polen ignorieren.