Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Wenn alle Brünnlein fließen

 

Wenn alle Brünnlein fließen, so muss man trinken,

wenn ich mein Schatz nicht rufen darf, tu ich ihm winken,

wenn ich mein Schatz nicht rufen darf,

ju ja, rufen darf, tu ich ihm winken.

 

Ja, winken mit den Äugelein und treten auf den Fuß!

's ist eine in der Stube drin, die meine werden muss,

's ist eine in der Stube drin,

ju ja, Stube drin, die meine werden muss.

 

Warum sollt sie's nicht werden, ich hab sie ja so gern;

sie hat zwei braune Äugelein, die leuchten wie zwei Stern',

sie hat zwei braune Äugelein,

ju ja, Äugelein, die leuchten wie zwei Stern'.

 

Sie hat zwei rote Wängelein, sind röter als der Wein;

ein solches Mädel find'st du nicht wohl unterm Sonnenschein.

Ein solches Mädel find'st du nicht

ju ja, find'st du nicht, wohl unterm Sonnenschein.

 

So herzlich wie mein Lieselein ist keine auf der Welt,

vom Köpfchen bis zum Füßelein ist alles wohl bestellt.

Vom Köpfchen bis zum Füßelein

ju ja, Füßelein, ist alles wohl bestellt.

 

Ach herzger Schatz, ich bitte dich, ach, lass mich gehen!

Denn deine Leut die schmähen mich, ich muss mich schämen.

Denn deine Leut die schmähen mich,

ju ja, schmähen mich, ich muss mich schämen.

 

Was frag ich nach den Leuten, die mich tun schmähen?

Ich liebe ja ganz ewiglich dies schöne Mädchen!

Ich liebe ja ganz ewiglich

ju ja, ewiglich dies schöne Mädchen!

 

 

 

Volksweise um 1520

 (unvollständige Aufnahme)

 

Zunächst ein harmloses Liebeslied, aber dann zeigt sich, dass die sozialen Unterschiede ein kaum zu überwindendes Hindernis sind. Daher ist das Lied ein gutes Beispiel für die grundsätzliche Ungleichheit der Menschen in der Frühen Neuzeit.