Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Wenn alle untreu werden


Wenn alle untreu werden,

So bleiben wir doch treu;

Daß immer noch auf Erden

Für euch ein Fähnlein sei.

Gefährten unsrer Jugend,

ihr Bilder bess’rer Zeit,

Die uns zu Männertugend

und Liebestod geweiht.

Wollt nimmer von uns weichen,

uns immer nahe sein,

treu wie die deutschen Eichen,

wie Mond und Sonnenschein.

Einst wird es wieder helle,

in aller Brüder Sinn,

sie kehren zu der Quelle

in Lieb und Freude hin.

Es haben wohl gerungen

die Helden dieser Frist,

Und nun der Sieg gelungen,

übt Satan neue List.

Doch wie sich auch gestalten

im Leben mag die Zeit,

Du sollst uns nicht veralten,

o Traum der Herrlichkeit.

Ihr Sterne seid uns Zeugen,

die ruhig nieder schau’n,

wenn alle Brüder schweigen

und falschen Götzen trau’n.

Wir woll’n das Wort nicht brechen

und Buben werden gleich,

woll’n predigen und sprechen

vom heil’gen Deutschen Reich.

Max von Schenkendorf 1814

 

Als Vorlage diente ein geistliches Lied von Novalis. Nach dem Sieg über Napoleon ruft Schenkendorf die Deutschen zur nationalen Einheit. Später wurden das Lied besonders innerhalb der Burschenschaften gesungen und in der NS-Zeit als Lied der SS missbraucht.