Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Wir ziehn nach China

 

Wir ziehn nach China in das Reich der Mitte

das Herz schlägt mutig in der deutschen Brust

für Völkerrecht und für der Christen Sitte

zu kämpfen sind wir alle uns bewusst

Sie sollen dort erfahren, die bösen Zopf-Barbaren

:|dass Deutschlands Arm weit über Meere reicht

und unser Aar nicht vor dem Drachen weicht|:

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Wir wollen streiten gegen die Barbaren

bis siegreich wir vor Pekings Mauern stehn

bis wir die grausam südlichen Tartaren

um Gnade bittend uns zu Füßen sehn

Wo Christenblut vergossen, Verzweiflungstränen flossen

:|da soll ein Hort den Deutschen neu entstehn

und schwarz-weiss-rot zu sichrem Schutze wehn|:

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Ob wir aus Preußen, Schwaben oder Baden

vom Weichselufer oder Nordseestrand

wir alle nur ein einzig Banner haben

und nur ein großes deutsches Vaterland

Franzosen, Russen, Britten mit uns zusammenritten

:|die Eisenfaust wie Sturmwind saust durchs Land und streckt die Drachen in den China-Sand|:

unbekannt, um 1900

 

Im Herbst 1899 begann ein Aufstand der chinesischen Boxerbewegung gegen die europäischen Kolonialmächte (+USA und Japan), dieser wurde im Laufe des Jahres 1900 niedergeschlagen.

Aus deutscher Perspektive ist im Kontext des Boxeraufstandes die sog. Hunnenrede Kaiser Wilhelms II. von Bedeutung: in dieser Rede fordert er die Soldaten vor der Abreise nach China auf, dort brutal vorzugehen, damit die Chinesen vor den Deutschen zukünftig solche Angst haben wie einst die Menschen in Europa vor den Hunnen. Bis in die Zeit des ersten Weltkrieges prägt diese Rede die Sicht auf Deutschland der späteren Kriegsgegner.

Das Lied eines unbekannten Autors passt inhaltlich in den Kontext der Hunnenrede.