Geschichte in Liedern

Zeitreisen durch die deutsche Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts

Wohlgeboren

(Ich will ein guter Bürger werden)

 

So hab ich es nach langen Jahren zu diesem Posten noch gebracht

und leider nur zu oft erfahren, wer hier im Land das Wetter macht.

Du sollst, verdammte Freiheit mir Die Ruhe nicht gefährden;

Lisette, noch ein Gläschen Bier! Ich will ein guter Bürger werden.

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Auch ich sprach einst vom Vaterlande und solchen sonderbaren Dingen,

Ich trug mein schwarzrotgolden Bande und ließ die Sporen furchtbar klingen:

Doch selig, wer im Gleise geht und still im Joche zieht auf Erden –

Was hilft die Genialität? Ich will ein guter Bürger werden.

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Diogenes vor seiner Tonne – vortrefflich, wie beneid ich ihn!

Es war noch keine Julisonne, die jenen Glücklichen beschien.

Was Monarchie? was Republik? Wie sich die Leute toll gebärden!

Zum Teufel mit der Politik! Ich will ein guter Bürger werden.

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Gewiß, man tobt sich einmal aus – es wär ja um die Jugend schad –

Doch, führt man erst sein eigen Haus, so werden Fünfe plötzlich grad.

In welcher Mühle man uns mahlt, das macht uns nimmer viel Beschwerden;

Der ist mein Herr, der mich bezahlt. Ich will ein guter Bürger werden.

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Jedwedem Umtrieb bleib ich fern, der Hecker mag das Volk beglücken!

Ein Orden ist ein eigner Stern, wer einen hat, der soll sich bücken.

Bück dich, mein Herz, bald fahren wir zur Residenz mit eignen Pferden;

Lisette, noch ein Gläschen Bier! Ich will ein guter Bürger werden.

Georg Herwegh 1841

 

Gemeinsam mit Franz Dingelstedt zieht Georg Herwegh 1841 durch Paris und beide denken darüber nach, wie es wäre, wenn sie das tun würden, was andere von ihnen erwarten: ein ruhiges bürgerliches Leben führen. Von Anfang an ist klar, dass das aufgrund ihrer Überzeugungen nicht gehen wird.